Claire Abendreh - Lesen in Bildern

Monat: August 2026

Akissika

Bernhard Beyer, Tempera auf HDF, 115×39 cm, 02/2026

Ein schmales, liegendes Format – fast wie eine Landschaft, die an einem vorbeizieht, doch saugt diese vielmehr in eine Tiefe hinein. Frontal. Ein breiter, dunkelvioletter Pinselschwung umfängt das Vorgefundene und lenkt alle Aufmerksamkeit auf sich – so entsteht der Bildraum.

Die Bewegung des breiten Pinsels wirkt wie Kalligraphie – schön für das künstlerische Auge. Doch darunter hält der klare Schwung wie eine Kralle etwas in der Bildmitte fest: eine Tatsache, umwerfend klar und zugleich nicht sofort aufzuklären.
Darin fein gemalte Details: Vielleicht Steilhänge, kurvige Wege und sich durch Täler windende Bachläufe.
Oder sind es Chiffren, Runen, geritzte Zeichen einer unleserlichen Schrift – „Akissika“? Gelb bis Türkis, in Grau übergehend, liegen sie schräg und schmutzig auf der hellgelben Bildfläche.

Der Titel, „Akissika“, ein Wort, das sich sperrt, das nicht sofort eine Bedeutung preisgibt. Liest man ihn rückwärts, bleibt es dasselbe: ein Spiegelwort. Ein Sprachbild für die bipolare Dynamik des Gemäldes: das Schwergewicht des Dunkelvioletts gegen das helle Gelb, die wässrige dunkle Pinselführung gegen mit trockenem Pinsel fein gezeichnete Markierungen. Die Wirkung changiert, lässt den Blick wandern, zurückkehren, führt ihn erneut in den Bildraum. Immer eine Gratwanderung machend.

Schmal und landschaftsartig scheint sich diese Reise zu entfalten, im Zeitfenster, während die spiegelnde Lesart des Titels „Akissika“ eine weitere Ebene eröffnet – als ob die Landschaft nicht nur gesehen, sondern auch gelesen werden müsse. Da sind weitere Sichtweisen: Akis-Sika. Das Sika-Wild, die Rehe und Hirsche. Landschaft und Lebewesen fallen ineinander, wie es dem Titel selbst entspricht. Der violettgraue Schwung, der sich bogenartig um das Bild zieht, wird nun lesbar als Geweih, als jene verzweigte, sich schwingende Linie, die sich bogenförmig an den rechten und linken Rand streckt. Auch die feinen blauen Linien im Gelb darunter, könnten die Beine eines Tieres sein, das sich durchs Unterholz bewegt, oder die Fährte, die es hinterlassen hat.

Bedeutung


Martin Assigs „Bedeutung“ (St. Peter No. 846, 6.7.2017) ist ein gerahmtes Kunstwerk aus Enkaustik und Wachskreide auf Papier (ca. 30×38 cm). 

Das gerahmte Kunstwerk von Martin Assig mit dem Titel „Bedeutung“ zeigt eine symmetrische, tintenklecksartige Komposition in kräftigem Kobaltblau auf einem cremefarbenen Grund, unterlegt mit farbigen Schraffuren. Die Bildsprache erinnert an einen klassischen Rorschach-Tintenklecks-Test, bei dem eine spiegelsymmetrische Form durch Falten eines Blattes entsteht.

Die Symmetrie entlang der vertikalen und horizontalen Mittelachse erscheint als große, organisch geformte blaue Masse im Zentrum. Sie reicht von oben bis unten und lässt in der Mitte eine schmale Zickzackform frei, ebenso cremefarben wie der Grund. Die Form wirkt ähnlich einer Wirbelsäule oder einer gotischen Turmspitze. Diese zentrale Form ist kreuzartig und zieht die Aufmerksamkeit an.

Um dieses Zentrum herum gruppieren sich in den vier Eckbereichen kleinere, ebenfalls tintenblaue Formen, die an stilisierte Blüten, Kreuze oder florale Ornamente erinnern. Diese Formen erinnern auch an Köpfe im Profil, die sich einander zuwenden oder voneinander abwenden. Die Kreuze an den Hinterköpfen können auch Zöpfe sein. Alles hat mindestens eine doppelte Bedeutung. Von diesen Eckformen gehen dreieckige, strahlenartige blaue Zacken aus, die diagonal nach außen in Richtung der Bildränder weisen und dem Werk eine explosive, radiale Dynamik verleihen.

Farbgebung und Hintergrund

Der Hintergrund besteht aus dem cremeweißen Grundton, der mit zarten Strichen in Gelb-, Grün- und Orangetönen unterlegt ist. Hier entsteht eine lebendige Textur mit einem warmen Kontrast zum satten, tiefen Blau der Formen. Oben und unten wird die Komposition von schmalen, dunkelgrauen bis schwarzen horizontalen Balken eingerahmt.

Beschriftung und Signatur

Unterhalb der Bildkomposition ist handschriftlich der Titel „Bedeutung“ vermerkt, darunter eine Zeile mit weiteren Angaben wie Datum und Werknummer. In der rechten unteren Ecke befindet sich ein kleines schwarzes Feld mit dem Buchstaben „A.“ – dem Kürzel des Künstlers.

Gesamteindruck

Die Kombination aus präziser Symmetrie, kräftigem Blau und der assoziativen, tintenklecksartigen Form erzeugt eine Wirkung, die zwischen wissenschaftlichem Test-Bild (Rorschach-Assoziation) und dekorativem, textilartigem Ornament changiert. Der Titel „Bedeutung“ fordert den Betrachter explizit dazu auf, in der abstrakten Form eine eigene Deutung oder Projektion zu erkennen – ganz im Sinne der psychologischen Funktion, die dem Rorschach-Test zugrunde liegt.

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