Claire Abendreh - Lesen in Bildern

Kategorie: Tinte

Bedeutung


Martin Assigs „Bedeutung“ (St. Peter No. 846, 6.7.2017) ist ein gerahmtes Kunstwerk aus Enkaustik und Wachskreide auf Papier (ca. 30×38 cm). 

Das gerahmte Kunstwerk von Martin Assig mit dem Titel „Bedeutung“ zeigt eine symmetrische, tintenklecksartige Komposition in kräftigem Kobaltblau auf einem cremefarbenen Grund, unterlegt mit farbigen Schraffuren. Die Bildsprache erinnert an einen klassischen Rorschach-Tintenklecks-Test, bei dem eine spiegelsymmetrische Form durch Falten eines Blattes entsteht.

Die Symmetrie entlang der vertikalen und horizontalen Mittelachse erscheint als große, organisch geformte blaue Masse im Zentrum. Sie reicht von oben bis unten und lässt in der Mitte eine schmale Zickzackform frei, ebenso cremefarben wie der Grund. Die Form wirkt ähnlich einer Wirbelsäule oder einer gotischen Turmspitze. Diese zentrale Form ist kreuzartig und zieht die Aufmerksamkeit an.

Um dieses Zentrum herum gruppieren sich in den vier Eckbereichen kleinere, ebenfalls tintenblaue Formen, die an stilisierte Blüten, Kreuze oder florale Ornamente erinnern. Diese Formen erinnern auch an Köpfe im Profil, die sich einander zuwenden oder voneinander abwenden. Die Kreuze an den Hinterköpfen können auch Zöpfe sein. Alles hat mindestens eine doppelte Bedeutung. Von diesen Eckformen gehen dreieckige, strahlenartige blaue Zacken aus, die diagonal nach außen in Richtung der Bildränder weisen und dem Werk eine explosive, radiale Dynamik verleihen.

Farbgebung und Hintergrund

Der Hintergrund besteht aus dem cremeweißen Grundton, der mit zarten Strichen in Gelb-, Grün- und Orangetönen unterlegt ist. Hier entsteht eine lebendige Textur mit einem warmen Kontrast zum satten, tiefen Blau der Formen. Oben und unten wird die Komposition von schmalen, dunkelgrauen bis schwarzen horizontalen Balken eingerahmt.

Beschriftung und Signatur

Unterhalb der Bildkomposition ist handschriftlich der Titel „Bedeutung“ vermerkt, darunter eine Zeile mit weiteren Angaben wie Datum und Werknummer. In der rechten unteren Ecke befindet sich ein kleines schwarzes Feld mit dem Buchstaben „A.“ – dem Kürzel des Künstlers.

Gesamteindruck

Die Kombination aus präziser Symmetrie, kräftigem Blau und der assoziativen, tintenklecksartigen Form erzeugt eine Wirkung, die zwischen wissenschaftlichem Test-Bild (Rorschach-Assoziation) und dekorativem, textilartigem Ornament changiert. Der Titel „Bedeutung“ fordert den Betrachter explizit dazu auf, in der abstrakten Form eine eigene Deutung oder Projektion zu erkennen – ganz im Sinne der psychologischen Funktion, die dem Rorschach-Test zugrunde liegt.

Abendschauer über der großen Brücke in Atake


Holzschnitt von Utagawa Hiroshige,, 1857 aus der Serie 100 berühmte Ansichten von Edo

Der Holzschnitt Abendschauer über der großen Brücke in Atake ist Teil der Farbholzschnittserie 100 berühmte Ansichten von Edo des japanischen Malers und Farbholzschnittkünstlers Utagawa Hiroshige. Im Vordergrund die Darstellung des Regens mit schrägen, sich verschränkenden schwarzen Strichen im Vordergrund – ein Schauer ohne Sturm, beharrlich, ausdauernd.

Dahinter die abendliche Landschaft: am oberen Rand schmal und dunkel das andere Ufer mit dem Stadtteil Atake, wo Bootshäuser angedeutet sind, exotische Bäume, rechts der Turm eines Tempels.

Der Keil des breiten Flusses beherrscht die Fläche in Form eines Dreiecks wie ein nach rechts weisender Pfeil. Mitten darauf ein auf dem Blatt nur etwa einen Zentimeter langes Floß und ein geradezu tollkühner und waghalsiger Drei-Millimeter-Flößer. Mit wenigen Strichen zum Leben erweckt, schifft der Flößer flach zusammengebundene Holzbalken mit einer langen Stange gegen die Pfeilrichtung des Flusses und hat es spürbar schwer mit dem Vorankommen.

Unter dem Pfeil tritt die große, hohe Brücke schräg, stabil und zugleich dynamisch ins Bild, hell thront der Balkenweg auf einer mächtigen dunklen Holzkonstruktion.

Wenige Gestalten überqueren die Brücke, jede auf ihre Weise dem Regen trotzend, verborgen unter Schirmen, Hüten oder weit über die Köpfe gezogenen Strohmatten. Drei Figuren teilen sich einen Schirm Mitte der Brücke und erwecken den Eindruck, vom Regen überrascht worden zu sein. Diese Darstellung wird als proto-filmisch bezeichnet.

Das Ōban-Hochformat (ca. 33,8 × 22,1 cm) ist mit einem Papierrand versehen, der das Bild mittels schwarzer Kontur abgegrenzt und den Anschein eines gerahmten Bildes erweckt.

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